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Das in BF 1309, 1312, 1313 und 1314 sämtlich Urkunden für das Kaiserreich angeführte Tagesdatum, den 10. April, beziehe ich wie auch die nur in den für Deutschland ausgestellten Urkunden vorkommenden Zeugen auf den Beurkundungsbefehl. Danach dürften in der Frist vom 10.-24. April folgende Tarenti datierten Urkunden ausgefertigt sein: BF 1310, 1312, 1313, 1315, 1316 und 13171). Nach dem Aufbruche aus Tarent folgten dann spätestens bis zum 28. April, wo bereits zu Cosenza geurkundet wird, BF 1309 und 1314, deren Datum nicht einheitlich ist, da es neben dem 10. April den Ort des Aufenthaltes, apud Tarentum, nennt.

Zu einem dritten Zeitpunkte ist BF 1311 entstanden, nämlich im Dezember desselben Jahres. Hierfür spricht der Umstand, dass in BF 1311 im Gegensatz zu BF 1310, wo sich sämtliche Bestätigungen auf liegende Güter beziehen, ein neuer, inhaltlich abweichender Punkt angeführt wird, nämlich die Bestätigung von BF 922, worin dem Orden 150 Goldunzen jährlicher Einkünfte aus Brindisi verliehen werden. Im Dezember erhielt der Orden vom Kaiser in BF 1371 die Anweisung auf eine jährliche Rente von 200 Goldunzen aus den Erträgnissen dieser Stadt. Wenn er nun sich das ältere Privileg bestätigen liess, so wollte er sich eben versichern, dass durch den neuen kaiserlichen Gunstbeweis die früheren Ansprüche auf die Einkünfte der Stadt nicht berührt wurden. Dazu kommt noch, dass eine in BF 1311 bestätigte Schenkung Kaiser Heinrichs erst in BF 1372 zur Ausführung gelangt. Ist nun noch BF 1310 in BF 1370 unter laufendem Protokoll erneuert, so dürfte BF 1311 kaum vor BF 1370 einzureihen sein.

Zu einem vierten Zeitpunkt sind BF 1307 und 1308 entstanden. Beide Urkunden sind Neuausfertigungen. Der Kontext von BF 1307 stimmt im Eingange mit dem von BF 1309 fast wörtlich überein. Dann werden aber die hier gesonderten Verfügungen über die freie Benutzung von Wasser und Holz und über die steuerfreie Verschiffung zusammengezogen. Erwägt man nun, dass die ursprüngliche Fassung sich in BF 1310 findet und in BF 1309 vollständig übernommen ist, indem nur statt per totum regnum per totum imperium gesetzt wird, während zwei typische Wendungen, die nur auf sizilianische Verhältnisse passen, nämlich per demanii nostri terras und ratione alicuius alterius exactionis et iuris doanarum, beibehalten werden, welche dann in BF 1307 in per proprias imperii nostri terras und ratione — alicuius alterius exactionis et iuris, consuetudinis seu statuti ver

1) Der graphische Befund zeigt, dass in BF 1314 die Tagesangabe von derselben Hand mit hellerer Tinte nachgetragen ist.

bessert sind, so wird der Schluss berechtigt sein, dass die Dispositio in BF 1307 in einer überarbeiteten Form vorliegt, zumal BF 1307 auch um den Passus über den Erwerb reichsunmittelbaren Gutes reicher ist. Genaueren Aufschluss über die Vorlage von BF 1307 gibt das Protokoll. In BF 1307 werden sieben deutsche Herren angeführt, die in den übrigen Urkunden der Gruppe nicht aufgezählt werden, unter ihnen Graf Gotfried von Brehna, der am 16. Oktober 1221 vor Accon als Templer stirbt1). Zieht man nun in Betracht, dass BF 1307 Tarent, BF 1309 dagegen apud Tarentum datiert ist, so wird man folgern dürfen, dass für BF 1307 nicht BF 1309, sondern eine völlig mit BF 1309 gleichlautende Urkunde, die noch zu Tarent ausgestellt wurde und die genannten Zeugen enthielt, als Vorlage gedient hat. Die Tagesdatierung dieser wurde in BF 1307 in die in der kaiserlichen Kanzler Brauch gewordene Monatsdatierung geändert.

Auch bei der Abfassung von BF 1308 hat man die verlorene Urkunde benutzt. Die Arenga, Narratio und die ersten Punkte der Dispositio sind aus BF 1311 entlehnt. Dann folgt der Passus über den Erwerb reichslehnbaren Gutes, der aus BF 747, 1312 oder 1435) entnommen ist, und die Verfügung über die Abgabenfreiheit, die aus der verlorenen Urkunde in modifizirter Form geschöpft ist. Hierher stammt auch das nur noch in BF 1309 nachzuweisende perangaria, Die Sicherung des Besitzes, die Sanctio und Corroboratio dürften frei verfasst sein. Unter den Zeugen werden nicht alle, wohl aber die bedeutendsten aus der verlorenen Urkunde übernommen. Im Datum gab der Reinschreiber, unter dem Einflusse der bereits ausgebildeten Monatsdatierung stehend, nur den Monat wieder und fügte, dann noch auf sein Versehen aufmerksam werdend, den Tag unter Datum nachträglich ein. Gab er hier nochmals die Indiction an, so kann wiederum ein Versehen vorliegen, aber auch die Indiction wiederholt worden sein, um eine allzu kurze Fassung des Datum zu vermeiden, indem man es in die bei Mandaten übliche Form kleidete.

Es lassen sich einige Anhaltspunkte für die ungefähre Entstehungszeit von BF 1307 und 1308 finden, wenn auch nicht ermittelt werden kann, welche von beiden Urkunden früher ausgestellt worden ist3).

1) Vgl. Winkelmann 1. c. p. 146 und 535 f.

2) Aus BF 1307 kann er nicht entlehnt sein, weil er länger ist als der entsprechende Passus dieser Urk. Wohl aber ist es möglich, dass dieser aus BF 1308 herrührt, wenn auch hier in gleicher Weise wie bei BF 1308 BF 747, 1312 und 1435 in Betracht kommen.

3) Setzt man BF 1308 darum, weil hier die Strafsumme 500 Pfund Gold, in BF 1307 aber nur 100 beträgt, und weil die Dispositio um einen Punkt,

Mitteilungen XXIX.

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Während nämlich die Urkunden für das Königreich mehrfach neu ausgefertigt werden, fehlt für die des Kaiserreiches jeder Beleg hierfür. Doch wird die Annahme, dass sie gleichfalls erneuert worden sind, nur dass man die Datierung beibehalten hat, durch zwei Urkunden gestützt. Am 23. August 1234 verkündet Heinrich VII. in BF 4345 allen Getreuen des Reiches, dass die Deutschordensbrüder nach einem von seinem Vater erhaltenen Privileg im ganzen Reich weder Weggeld noch Zoll von ihren Personen und Sachen entrichten sollen, und gebietet ihnen, sich danach zu richten, und am 22. Juni 1235 empfiehlt der Kaiser in BF 2097 allen Prälaten, Herzogen, Markgrafen, Dienstmannen, Schultheissen, Vögten und überhaupt allen im Reich die Häuser, Brüder, Dienstleute und Güter des Deutschen Ordens. Der Orden wird demnach irgendwie durch die Verhältnisse im Reich bewogen worden sein, sich auf seine vom Kaiser erhaltenen Privilegien zu berufen, und hier nun an eine Neuausfertigung der Privilegien vom April 1221 zu denken, ist wohl statthaft: damals sind BF 1307 und 1308 ausgestellt. Dem steht die Siegellegende von BF 1307-BF 1308 ist nicht im Originale erhalten, und ich habe kein Transsumpt ausfindig machen können, das eine Beschreibung des Siegels enthielte nicht im Wege; denn zwar lautet diese: Fridericus dei gratia Romanorum imperator et semper augustus et rex Sicilie, weist also in die Zeit vor der Vermählung Friedrichs mit Isabelle, der Tochter des Königs von Jerusalem. Indes hat bereits Graf Pettenegg1) bemerkt, dass die rotbraunen Seidenfäden neu sind, wozu ich noch hinzufügen kann, dass die Befestigungsart unregelmässig ist. Durch die drei rautenförmig geschnittenen Löcher, die durchaus einen kanzleimässigen Eindruck machen, sind die Fäden nicht in üblicher Weise hindurchgezogen 2) und dann unmittelbar unter dem Buge verknotet, sondern die durch. das linke obere Loch gelegten Fäden sind ebenso wie die durch das rechte gelegten durch das dritte Loch nach vorne hindurchgezogen und dann erst unterhalb des Buges verknüpft, ehe sie durch die Goldbulle gehen, deren Befestigung danach nicht als die ursprüngliche angesehen werden kann.

Auch die Tatsache, dass eine Goldbulle nur in der Corroboration von BF 1307 und 1308 erwähnt wird, während in dem beiden Urkunden inhaltlich am nächsten stehenden BF 1309 das Kaisersiegel

nämlich die Sicherungsklausel, reicher ist, hinter BF 1307, so ist das nicht mehr als eine Vermutung.

1) Die Urk. d. Deutschordenszentralarch. zu Wien. p. 21.
2) Vgl. Philippi 1. c. p. 68.

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angekündigt wird, das sich auch an BF 1312 und 1314 befindet 1), spricht für die Richtigkeit der bisherigen Ausführungen. Ferner tut dies auch ein Vergleich der Schrift von BF 1307 einerseits und BF 1312 und 1314 anderseits. Alle drei Urkunden sind als feierliche Privilegien ausgefertigt; doch weichen sie in der Ausstattung ein wenig von einander ab. In den beiden zuletzt genannten Urkunden wird die in verlängerten Buchstaben geschriebene erste Zeile durch Chrismon, Invocation und einen Teil des Titels in BF 1312 bricht die verlängerte Schrift nach der dritten Silbe des Wortes Romanorum, in BF 1314 mit augustus ab angefüllt; in BF 1307 dagegen nimmt sie den ganzen Titel auf, was seit 1223 bei Privilegien üblich ist). Hier wird das Acta so angeordnet, dass es die Zeile, mit der es abschliesst, ganz ausfüllt, und das Datum folgt in besonders abgesetzter Zeile; beides wird für die grosse Datierung in der kaiserlichen Zeit zur Regel. In den beiden anderen Urkunden aber wird dieser Brauch noch nicht beachtet: in BF 1314 reiht sich das Datum dem Acta ohne Unterbrechung au, in BF 1312 zwar in eigener Zeile; doch hört das Acta hier mitten in der letzten Zeile auf. Was schliesslich den Duktus im allgemeinen anlangt, so darf man wohl sagen, dass der Ingrossator von BF 1307, den ich für den einen der beiden Notare halte, die den Kaiser auf seinem Kreuzzuge begleitet haben 3), die stärkere Brechungen und grosse Ober- und Unterlängen vermeidende Kanzleischrift sich in höherem Masse zu eigen gemacht hat, als der Ingrossator von BF 1312 und 13144).

Des langen Beweises kurzes Resultat ist nun dieses, dass in allen Urkunden der Gruppe, abgesehen vom Mandat BF 1313, in dem nur von felices augusti progenitores nostri recolende memorie die Rede ist, es in der Narratio in gleicher Weise lautet: a diuo quondam augusto domino imperatore Friderico auo nostro pietatis intuitu propagata in multiplices fructus prodiit laude dignos et a domino quondam imperatore Henrico inclite recordationis patre nostro rebus ac libertatibus premunita, während in den beiden letzten, nach dem September 1232 ausgestellten Urkunden Friedrich I. durch predecessores ersetzt wird:

1) BF 1316 kommt als sizilisches Privileg nicht in Betracht; vgl. Philippi 1. c. p. 78.

2) ebenda p. 27.

3) ebenda p. 26. Ich weise dem Ingrossator von BF 1307 noch BF 1423, 1512, 1513, 1514 und 1746 zu.

*) Über die seit der Kaiserkrönung sich ausbildende, seit 1223 ununterbrochen angewandte Kanzleischrift vgl. Philippi 1. c. p. 23 ff. Zu dem im Datum von BF 1307 von gleicher Hand nachgetragenen Tarenti vgl. p. 406.

BF 1307 a predecessoribus nostris pietatis intuitu u. s. w. und BF 1308 a divis quondam augustis predecessoribus nostris pietatis intuitu u. s. w. Diese Änderungen fallen um so mehr ins Gewicht, wenn man bedenkt, dass in BF 1303 die Narratio aus BF 1311, in BF 1307 aber aus dem mit BF 1309 übereinstimmenden Exemplar der Doppelausfertigung genommen ist. Die farblosen Vorgänger, unter denen die Könige von Jerusalem zu verstehen sein werden, da an der zeitlich früheren Einordnung des ersten Passus der Narratio a predecessoribus pietatis intuitu propagata1) gegenüber dem darauffolgenden et a domino quondam imperatore Henrico - premunita wegen der Nennung Friedrichs I. statt der predecessores in allen anderen Urkunden der Gruppe festzuhalten sein wird, treten an die Stelle Friedrichs I., um jeden Zusammenhang mit dem älteren Spital zu verdecken, den auch die Narratio mit keinem. Worte erwähnt, was ich ebenso wenig wie Toeppen für zufällig halte2). Hier wie dort geschieht es um der Johanniter willen.

Das deutsche Spital war durch päpstliche Entscheidung vom Jahre 1143 unter die Aufsicht der Johanniter gestellt3). Es sollte jedoch nur ein Deutscher Prior und nur Deutsche dienende Brüder werden. Den einmal geschaffenen Rechtsverhältnissen konnte sich der Orden nach seiner abermaligen Konstituierung nicht entziehen. Am 17. August 1229 ersucht Gregor X. den Patriarchen von Jerusalem. die Auflehnung des Ordens gegen die Aufsicht der Johanniter zu ahnden). In derselben Angelegenheit wird am 12. Januar 1240 der Orden aufgefordert, dem Papste zu Michaelis Rechenschaft zu leisten3). Als zweiter Termin wird dem Orden am 23. März 1241 der Andreastag desselben Jahres gesetzt) und in einem am 9. Oktober 1258 geschlossenen Vertrage der Meister der drei Orden wird die Unterordnung unter die Johanniter noch als zu Recht bestehend anerkannt?). An Versuchen des Ordens, sich der lästigen Aufsicht der Johanniter zu entledigen, hat es folglich nicht gefehlt. Dass sie nicht geglückt sind ist wohl dadurch zu erklären, dass in der Tat das Recht auf der Seite der Johanniter gewesen sein muss. Psychologisch ist es immerhin

1) Die von Toeppen, Script. rer. Pruss. Bd. 1 p. 25 Anm. 6 vorgeschlagene Übersetzung von propagare mit, eine aufgegebene Sache wieder herstellen verbietet sich durch die in allen übrigen Urk. der Gruppe gebräuchliche Erwähnung Friedrichs I.

2) ebenda p. 220.

3) Delaville le Roulx, Cartul. de l'ordre des Hospital. Bd. 1 nr. 154 u. 155. 4) ebenda Bd. 2 nr. 1944.

5) ebenda nr. 2247.

*) ebenda nr. 2270.

7) Strehlke 1. c. nr. 116.

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